Von der Postkutsche zum modernen Omnibus


Die ORN Omnibusverkehr Rhein-Nahe GmbH in ihrer jetzigen Gestalt, kann in diesem Jahr auf ein langjähriges, erfolgreiches Bestehen zurückblicken. Doch ihre Wurzeln reichen weit zurück.

Eigentlicher Vorläufer des modernen Omnibusses ist die von Pferden gezogene Kutsche. Seit Jahrhunderten besaß hier die Post, zunächst die Familie von Thurn & Taxis, später die Reichspost das Monopol zur Beförderung von Personen.

Wenn auch die Reise mit der Postkutsche meist romantisch verklärt wird, so war diese doch sehr beschwerlich. Erste ernstzunehmende Konkurrenz erwuchs der Post durch das beginnende Zeitalter der Eisenbahn ab 1835. Das Dampfross war schneller, wesentlich bequemer und zudem noch günstiger. Anfang des 20. Jahrhunderts reagierte die Post darauf mit dem ersten Kraftomnibus. Vor dem ersten Weltkrieg hatte sich schon ein erstaunliches Streckennetz reichsweit etabliert.

Der Post-Reisedienst war für die Bahn keine geringe Herausforderung, denn die einnahmeträchtigen Verkehrsströme begannen sich, auch aufgrund der Erschließung neuer Wohngebiete außerhalb der Städte, an der Schiene vorbei zu entwickeln.

Der Bahnbus kommt

Um nicht ins Hintertreffen zu geraten, ging die Bahn ebenfalls auf die Straße. Etwa 1925 begann in unseren Breiten die Ära der Bahnbusses, wofür man das Wortungetüm "Verkraftung" benutzte. Dabei wurden auch Schienen- und Busstrecken kombiniert, so dass in Spitzenverkehrszeiten Züge verkehrten, in schwächeren Zeiten aber Busse eingesetzt wurden.

Zwischen Post und Bahn erfolgte ein zähes Ringen um die neuen Märkte und um die Kunden, die man auch schon mit ersten Ausflugsfahrten lockte.

1937 kam die Post reichsweit auf 55.000 km Liniennetz, die Bahn auf gerade 4.500 km.

Eine der ersten regelmäßigen Bahnbuslinien im heutigen ORN-Verkehrsgebiet war die Strecke Mainz Hbf - Hochheim(M) Weiherstraße ab ca. 1927. Mit einer Fahrtzeit von 27 Minuten erreichte der Bus sein Ziel. etwa im 2-Stunden-Takt und mit einer Verstärkung des Fahrplanes an Markttagen (Di/Fr). Auch heute ist der Regionalbus nach Hochheim(M) nicht kürzer unterwegs, bedient dabei aber das dreifache an Haltestellen bei wesentlich höherer Verkehrsdichte.

Mit Beginn des 2. Weltkrieges sahen sich sowohl der Post- als auch der Bahnbusverkehr immer größeren Belastungen ausgesetzt, da trotz höherem Verkehrsaufkommen, ein Teil der Fahrzeuge zu Truppentransporten der Wehrmacht unterstellt wurde, bzw. durch die Bombenangriffe zahlreiche Fahrzeuge zerstört wurden. Die Knappheit an Treibstoffen führte zu einer weitgehenden Umrüstung der Fahrzeuge auf "Holzvergaser".

Ein Blick auf die Statistik zeigt den Fahrzeugbestand im Bereich der Reichsbahndirektion Mainz:
1939: 34 Kraftomnibusse
1943: 44 Kraftomnibusse
1946: 11 Kraftomnibusse

Wiederaufbau

Foto: Sammlung Harald Neise

Nach dem Krieg und der Gründung der Deutschen Bundesbahn ging der Bahnbus dann auf die Überholspur. Die Gründe lagen in der weitergehenden Zersiedelung in Deutschland und der Einschränkung bzw. Schließung von unrentablen Nebenstrecken des Schienennetzes. Auch hierbei wurde Anfangs der Mischbetrieb Zug/Bus bevorzugt praktiziert.

Im Bereich der Bundesbahndirektion Mainz wurde 1955 die "Bahnbusverkehrsleitung" mit etwa 5-6 Mitarbeitern eingerichtet. Diese kümmerte sich zusammen mit den Bahnbusverkehrstellen, die als Nebenstellen der Fahrkartenausgaben den Verkehrsämtern unterstanden, um die Abwicklung der Fahrpläne und der Fahrgeldeinnahmen. Während die den Maschinenämtern unterstehenden Kraftwagenbetriebswerke für die Produktion der Fahrten verantwortlich waren.

Bei der Post oblag die Organisation des Busverkehrs bei den jeweiligen Oberpostdirektionen und den größeren Postämtern, denen ,,Post-Reisedienst" angegliedert war.

Bei dieser Konkurrenz zweier bundesweit agierender Busunternehmen würde es keinen strahlenden Sieger geben. Diese Erkenntnis brachte die Kontrahenten zum Dialog.

Bahnbus-Betriebshof Main

Bahnbus-Betriebshof Mainz 1977, Bild: Friedel Zimmer

1955 regelte ein Abkommen zwischen Post und Bahn die Abstimmung von Linien und Fahrplänen, 1971 hob man gar die Omnibus-Verkehrsgemeinschaft (OVG) aus der Taufe, die 1976 regionalisiert wurde. 1982 - 1984 wurde dann durch die Bundesregierung der Postreisedienst komplett zur Bahn überführt, ein Untenehmensbereich Bahnbus (UBB) mit 18 im jeweiligen Bediengebiet vor Ort ansässigen Geschäftsbereichen Bahnbus (GBB) sowie 5 privatrechtlichen Bundesbusgesellschaften gegründet. In unserem Verkehrsgebiet etablierte sich der GBB Mainz/Wiesbaden mit Sitz in Mainz, Mombacher Straße 2. 14.000 Busse fuhren unter Führung des Unternehmensbereichs Bahnbus auf ca. 180.000 Streckenkilometern.

Vom GBB zur ORN

Der GBB Mainz/Wiesbaden war der direkte Vorläufer der ORN Omnibusverkehr Rhein-Nahe GmbH. Bis zur Gründung der privatrechtlichen Regionalbusgesellschaften verging ein weiteres halbes Jahrzehnt, eine Zeit, die man brauchte um zu sehen, wie sich die öffentlich rechtlichen GBB’s und die privatrechtlichen Gesellschaften im Vergleich bewährten. Die Entscheidung fiel schließlich zugunsten der Privat-GmbH, weil alle wirtschaftlichen Prognosen dafür sprachen. 1988 wurden die ersten vier GBB’s in privatrechtliche GmbH’s umgewandelt, zum 14.04.1989 schließlich die ORN gegründet, die heute als Tochtergesellschaft zur DB Regio AG gehört.